MES Inspi­ra­ti­ons­Werk­statt – Agilität, aber mit Sinn und Verstand!

Gepostet vor 3 Monaten von Leonie Kohler

Agilität ist in aller Munde – und wenn man ehrlich ist – in vielen Unternehmen als klassisches Buzzword auch bereits eher verbranntes Terrain.

Nichtsdestotrotz, oder vielleicht auch gerade deshalb, bekommen wir immer mehr Kundenanfragen, wie man denn mit diesem Thema so umgehen kann, dass auch die MitarbeiterInnen die Lust daran nicht verlieren. Diese Fragen stellen wir uns selbst tatsächlich auch.

Daher haben wir für 2019 ein neues Veranstaltungsformat ins Leben gerufen: die MES InspirationsWerkstatt.
In der insgesamt sechsteiligen Terminreihe, die am 27. März sehr erfolgreich startete, möchten wir uns mit dem Thema „Agilität“ auseinandersetzen und bei den veranschlagten Treffen mögliche Methoden und Prinzipien beleuchten, ausprobieren und kritisch hinterfragen.

Für den ersten Termin war uns in erster Linie wichtig, einen spielerischen Einstieg in das Thema zu finden und einzelne Aspekte von Agilität wirklich erlebbar zu machen, um sich damit kritisch auseinandersetzen zu können:
• Welche Vor- aber auch Nachteile bringt Agilität mit sich?
• Wie kann sich Agilität im Alltag zeigen?
• Und vor allem: Ist Agilität wirklich die Lösung all unserer Probleme?

 

Um all dies in einen kurzen Abendtermin zu packen, wagten wir uns an ein neues Szenario unseres MEScape Games, welches nicht nur nahe am Arbeitsalltag der Teilnehmenden sein sollte, sondern auch agile und nicht-agile Rahmenbedingungen direkt gegenüberstellen sollte: die A.G.I.L. GmbH.

In zwei Stunden durchliefen unsere Teilnehmenden, als Mitglieder der Teams „Forschung“ bzw. „Produktentwicklung“, Meetings, beantworteten Kundenanfragen und lösten dringende Probleme. Dabei achteten wir darauf, zwar die gleichen Aufgaben zu stellen, die Rahmenbedingungen und Anweisungen aber zwischen den Teams zu variieren, um einen direkten Vergleich zwischen einem agilen und einem nicht-agilen Umfeld herzustellen. Während das eine Team beispielsweise ein direktes, wertschätzendes Feedback erhielt, fiel dieses beim zweiten Team sehr knapp und wenig konkret aus. Ganz bewusst gestalteten wir die Anweisungen zudem so, dass bestimmte Assoziationen und Emotionen getriggert werden sollten.

Abschließend führten wir beide Gruppen zusammen, um in einer gemeinsamen Reflexion das Erlebte zu besprechen und wichtige Bedingungen für ein gutes (agiles?) Arbeiten festzulegen. Dabei legten wir den Fokus auf vier wichtige Bereiche: „Rollen und Hierarchien“, „Feedback und Wertschätzung“, „Umgang mit Regeln“ sowie „Netzwerken und Kooperation“.

Rollen und Hierarchien
Entgegen unserer Erwartungen stellten wir überaschenderweise fest, dass es kaum einen Unterschied machte, ob wir die Rollen zuwiesen oder die Teilnehmenden sich selbst Rollen zuweisen konnten. Solange das Vertrauen gegenüber den „Rollenzuweisern“ gegeben war, waren alle zufrieden und konnten sich mit der neuen Rolle identifizieren.
Dabei kam es vor allem darauf an, dass die Rollenverteilung nicht willkürlich erschien und die Art der Verteilung zum Kontext, also beispielsweise zur Dauer der Rolle, passte.

Feedback und Wertschätzung
Im Verlauf des MEScape Games wurde die Bedeutung und Wirkung einer konstruktiven Feedbackkultur für alle Teilnehmenden deutlich. Während eine Gruppe konkretes und wertschätzendes Feedback zu ihrer Arbeit erhielt, verzichteten wir bei der zweiten Gruppe in einer Aufgabe auf dieses fast vollständig. Dies führte nicht nur zu Frustration während der Bearbeitung, sondern endete in einer Verweigerungshaltung bei Teilen der Gruppe, die auch noch in den folgenden Übungen deutlich spürbar blieb – auch als die Gruppe wieder Feedback erhielt.
Hier zeigte sich zudem, dass auch „geübte“ MEScape Gamer sich der emotionalen Wirkung nicht entziehen konnten, obwohl diese bereits wussten, dass keine Anweisung zufällig erfolgte. Manche Teilnehmende fanden es besonders beeindruckend, wie schnell sie die Metaebene vollständig verlassen und sich gänzlich in das Spiel und ihre Rolle begeben haben. Bestimmte Aspekte von (nicht) agilen Rahmenbedingungen erlebbar zu machen, ist uns damit offensichtlich äußerst gut gelungen.

Umgang mit Regeln
Um auch einmal kritisch auf den Umgang mit Regeln zu schauen, bauten wir ein „Meeting“ mit verschiedenen klaren Regeln ein, bei dem die Teilnehmenden gemeinsam die darüber hinaus bestehende informelle Regel herausfinden sollten, ohne dabei miteinander zu sprechen. Nach vielen „So machen wir das hier aber nicht“ und „Bei uns läuft das aber anders“ unsererseits wurden die bestehenden Regeln, wie zum Beispiel nicht miteinander zu sprechen, immer weiter ignoriert. Zudem sank die Stimmung in unserem „feedbacklosen“ Team immer weiter, bis Teile der Gruppe die Übung beinahe abbrachen.

Und was lernen wir daraus? Regeln machen durchaus Sinn, allerdings nur, wenn die Sinnhaftigkeit für alle ersichtlich ist und Regeln tatsächlich auch klar benannt sind – sich an absurde Regeln halten zu müssen und immer wieder dafür gerügt zu werden unklare Regeln nicht wirklich einzuhalten, führt auf Dauer eher zu Ärger und dazu, die Regeln gänzlich zu ignorieren.

Netzwerken und Kooperation
Als Abschluss des Spiels stellten wir dann noch die Kooperationsfähigkeit beider Teilnehmenden auf die Probe – mit einer Box, die nur gemeinsam durch Zusammenarbeit beider Teams zu öffnen war. Auch hier achteten wir darauf, die Arbeitsanweisungen einmal kooperations- und einmal wettbewerbsorientiert zu formulieren. Erst als ein Teilnehmer deutlich machte, dass ja alle eigentlich das gleiche Ziel verfolgten, schlossen sich die Teams zusammen und konnten am Ende – mit kleinen Hilfestellungen von uns – das Schloss mit der darin enthaltenen Belohnung öffnen.

Alles in allem ein spannender Abend nicht nur für unsere Teilnehmenden, sondern auch für uns selbst, den wir mit einer ersten Erkenntnis abschlossen:
Ob agil oder nicht, Transparenz, Feedback, Vertrauen, Sinnhaftigkeit und ein persönlicher Kontakt erleichtern die Arbeit um ein Vielfaches!